Sonntag, 19. August 2018

366 Geschichten: Dezember 14

366 Geschichten

Es war vor vielen Jahren. Ich hatte eine eigene Wohnung. Ich lebte nicht mehr bei meinen Eltern. Ich war für mich selbst verantwortlich.

Ich kümmerte mich nicht nur um meine Wäsche. Ich sortierte sie nicht nur. Ich befüllte die Waschmaschine nicht nur. Ich wusch nicht nur das Geschirr ab. Ich kümmerte mich auch um das Essen und Trinken.

Doch ohne Nahrungsmittel kann ich schlecht das Essen zubereiten. So ging ich jede Woche mindestens einmal einkaufen. Oft auch zweimal. Ich kaufte Getränke ein. Wasser, Brause und Milch. Ich kaufte auch Obst und Gemüse ein. Kartoffeln, Möhren, Birnen und Äpfel.

Ich ging jeden Samstag einkaufen. Zu Fuß. Bis zum Einkaufszentrum hatte ich es nicht weit. Es waren rund eintausend Meter. Ich lief nur zehn Minuten, da brauchte ich keinen Bus nehmen. Doch warum sollte ich ihn nutzen? Ich hätte zur Haltestelle laufen müssen. Das hätte mich schon rund zwei Minuten gekostet. Ich hätte auch früher losgehen müssen. Der Bus wartete ja nicht auf mich. Und für die paar Meter war es sinnlos. Wäre ich mit Bus gefahren, wäre ich länger unterwegs gewesen als zu Fuß.

Ich lief. In meinen Rucksack passte einiges. Mit meinen zwei Händen konnte ich noch mehr tragen. Was ich samstags nicht einkaufte, holte ich mir in der Woche danach. Manchmal ging ich am Dienstag, mal am Mittwoch, manchmal auch gar nicht einkaufen. Je nachdem, was ich brauchte und wie dringend es war.

Vor vielen Jahren war ich wieder einmal am Samstag einkaufen. Ich lief zehn Minuten. Nahm mir einen Einkaufswagen. Dann konnte ich meine Einkaufsliste abarbeiten. Zuerst Äpfel, Birnen und Kartoffeln, denn die Obst- und Gemüseabteilung war am Eingang des Supermarktes. Dann kaufte ich Milch ein. Ketchup, Nudeln und Anderes folgten.

Am Kassenbereich angekommen, merkte ich, dass ich die Möhren vergessen hatte. Sie standen am Ende meiner Einkaufsliste. Ich musste noch einmal zurück. Ich brauchte sie. Am nächsten Tag sollte es Möhreneintopf geben. Ohne Möhren wäre dies eher eine Kartoffelsuppe geworden.

Ich fand die Möhren relativ schnell. Doch nicht nur das. Ich sah auch Sie. Mich traf fast der Schlag. Sie war wunderschön, auch wenn ich Sie nur von Weitem sah, Ihr dunkles Haar war wunderschön. Sie war gut gebaut. Ich ging näher. Ich sah, dass Sie wundervolle braune Augen besaß. Ich verliebte mich auf den ersten Blick in Sie.

Doch ich sprach Sie nicht an. Ich traute mich nicht. Ich ging zurück zu meinem Einkaufswagen, der vor den Kassen stand. Dort kam ich nicht direkt an. Ich kehrte auf halbem Weg um. Ich wollte Sie doch ansprechen. Doch in der Obst- und Gemüseabteilung war Sie nicht mehr. Ich sah Sie nicht in der Molkereiabteilung. Bei den Süßwaren war Sie auch nicht. Ich fand Sie heute nicht wieder. Vielleicht hatte Sie schon den Supermarkt verlassen. Schade eigentlich. Ich wollte mein Glück nächste Woche noch einmal versuchen.

Doch erst einmal ging ich zu meinem Einkaufswagen. Ich ging an die Kasse, bezahlte mein Eingekauftes und ging nach Hause. Sieben Tage später war ich wieder hier.

Ich hatte Glück. Ich sah Sie wieder. Diesmal ließ ich Sie nicht gehen. Ich sprach Sie an. Ich unterhielt mich mit Ihr. Ich konnte Sie überzeugen. Wenig später wurden wir ein Paar. Bis heute sind wir es. Wir sind glücklich und genießen unsere zweisame Zeit. Hoffentlich bis zur Ewigkeit.

Diese Erzählung wurde am 14.12.2017 von A.D. in der Katgeorie 366 Geschichten veröffentlicht.

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