366 Geschichten: April 11

Erzählen-AG: 366 Kindergeschichten

Eine Bahnfahrt, die ist lustig. Eine Bahnfahrt, die ist lang. Eine Bahnfahrt, da bin ich doch dabei!

Eine Bahnfahrt, die ist lustig. Vor allem dann, wenn ich kein Handy habe. Nicht mit jemanden telefonieren kann. Wenn ich keine Musik höre. Wenn ich mich nicht ablenken kann. Vor allem dann, wenn ich nicht alleine bin.

Klar, im Zug bin ich nie alleine. Es gibt immer einen Zweiten im Zug. Ich bin kein Lokführer. Ich habe nicht das Talent dafür. Ich habe nicht das nötige Wissen. Ich fahre nur mit. Nicht selber. So muss immer ein Zweiter im Zug sein. Wenn kein Zweiter im Zug mehr ist, habe ich wohl die letzte Station verpasst. Dann darf ich auf dem Abstellgleis übernachten. Doch das ist von mir nicht geplant und auch noch nie vorgekommen. Bei mir. Bisher. Doch irgendwann ist immer das erste Mal, oder?

Eine Bahnfahrt, die ist lustig. Wenn Gruppen unterwegs sind allemal. Sind es Schülergruppen, so wird es laut im Zug. Die Schüler unterhalten sich lautstark. Ruhig wird es nicht. Das ist aber nicht nur wegen der Schüler so. Auch wenn Gruppen von Erwachsenen unterwegs sind, kann es laut werden. Sie unterhalten sich lautstark. Machen ab und zu Witze und alle lachen. Jeder hört es. Auch am Ende des Zuges.

Eine Bahnfahrt, die ist lang. Wenn ich keine Ruhe habe und andere sich lautstark unterhalten, sogar sehr lang. Wenn dann noch ein rotes Signal dazwischen kommt, wird die Bahnfahrt ewig. Dann will ich nur so schnell wie möglich weiter. Ich hoffe, dass das Signal schnell wieder Grün wird. Der Zug sich in Bewegung setzt. Ich möchte nicht zu spät auf der Arbeit erscheinen. Ich möchte rechtzeitig wieder nach Hause kommen. Wenn ich nacharbeiten muss, gelingt mir das aber nicht.

Eine Bahnfahrt, die ist lang. Wenn Personen im Gleis sind noch länger. Dann stoppt der Zug für unbestimmte Zeit. Es können Minuten sein. Vielleicht nur zehn. Vielleicht auch dreißig. Es können aber auch Stunden sein. Vielleicht nur eine. Vielleicht auch drei. Mit Glück dauert es nicht lange und der Zug setzt sich nach zwanzig Minuten wieder in Bewegung. Mit Pech in die falsche Richtung. Doch das soll mir heute nicht passieren. Mein Zug wird pünktlich sein.

Eine Bahnfahrt, da bin ich doch dabei! Muss ich auch. Ich habe kein Auto. Ich habe keinen Führerschein. Zur Arbeit muss ich trotzdem. Es fahren Busse und Bahnen. Auch von meinem Zuhause bis zur Arbeit. Mit Bussen und Straßenbahnen wäre ich Stunden unterwegs. Busse sind schnell. Schneller als ein Fahrrad. Schneller als ein Fußgänger. Doch ein Bus ist nicht das schnellste Verkehrsmittel. Das ist wohl das Flugzeug. Doch für rund einhundert Kilometer pro Richtung wohl nicht für mich geeignet. Einen Flughafen gibt es in der Nähe nicht. Zu mindestens bei mir daheim gibt es keinen Flughafen. Einige Kilometer von der Arbeit schon.

Für mich ist aber ein anderes Verkehrsmittel das Schnellste: Der Zug. So fahr ich mit der Bahn jeden Tag. Morgens fahr ich zum Bahnhof. Dann zur Arbeit. Abends geht es wieder zurück. Jeden Arbeitstag immer dasselbe. Na ja fast.

Nicht jede Bahnfahrt ist lustig. Manche Fahrten nerven auch. Nicht jede Bahnfahrt ist lang. Manche sind auch kurz. Vor allem dann, wenn es einen Schienenersatzverkehr gibt. Wenn sich Menschen oder Bäume im Gleis verirrt haben. Dann bin ich bei der Bahnfahrt nicht dabei. Sonst schon.

Diese Geschichte ist auch als Buch und eBook verfügbar.