Bernhard im Schnee

Winter

Mit dem heutigen Tag beginnt der Dezember. Der erste Tag, an dem jedes Kind die erste Tür seines Weihnachtskalenders öffnen kann. So wie es Bernhard heute machen wird.

Punkt sieben Uhr wird er wach und schlägt die Augen auf. Für einige Momente starrt er an die weiße Decke seines Zimmers. Er überlegt, ob er jetzt schon aufstehen sollte. Es wäre bestimmt noch zu früh dafür. Seine Eltern würden ihn bestimmt wieder ins Bett schicken. Dann fällt es ihm ein: Heute ist der erste Dezember. Er schmeißt die Decke von sich und rennt zu seinem Weihnachtskalender.

Sogleich sucht er die Zahl Eins. Oben links nur die Zahl Fünfzehn. „Wo ist nur das Erste Türchen“ fragt er sich. Oben rechts die Zwei. Mit den Augen geht er immer weiter nach unten. Erst die Neun, die Fünf und dann hat er die erste Tür entdeckt. Er öffnet Sie und entdeckt sein Schokoladenstückchen: Eine brennende Kerze. Mit einem Happs ist sie auch schon in seinem Mund und er geht zurück Richtung Bett. Am liebsten hätte er auch die zweite Tür geöffnet, doch dann hätte er morgen nichts mehr. So wie letztes Jahr sollte es diesmal nicht sein. Er wollte nicht schon am sechsten Dezember alle Türen offen haben.

Auf dem Weg zum Bett kann er auch einen Blick nach draußen wagen. Er glaubt nicht, was er dort sieht. In der letzten Nacht fiel der Schnee. Sehr viel Schnee. Und da heute Samstag ist, ist klar, dass er rausgehen will. Schlittenfahren, Rodeln, Schneemann bauen. Am besten alles auf einmal.

So stürmt er noch im Schlafanzug zu seinen Eltern. Auf dem Weg dorthin schreit er es immer wieder: „Es schneit, es schneit“. Kein Wunder, dass seine Eltern wach werden. Als Bernhard im Elternzimmer angelangt ist, rufen sie ihm immer wieder zu, er solle still sein. Es ist schön, wenn es schneit. Er könne ja hinausgehen, wenn er möchte. Der Schlitten würde doch im Keller stehen.

Das läst sich Bernhard nicht zweimal sagen. Er rennt zurück in sein Zimmer, schnappt sich die erstbeste Kleidung, zieht sie an und rennt wieder nach unten. Er holt den Schlitten aus dem Keller, schnappt sich seine Jacke und verlässt das elterliche Haus.

Nur unweit seines Elternhauses gibt es einen Rodelberg, den er am Vormittag ausgiebig nutzt. Er rodelt einmal runter und läuft wieder nach oben, um noch einmal zu rodeln. Anfangs geht Bernhard relativ zügig nach oben, doch später lässt er sich mehr Zeit, denn er war nicht mehr der Einzige, der rodelte. Die Zahl der rodelnden Kinder stieg und stieg.

Bis Bernhard genug hatte und sein Magen knurrte. Genau richtig zur Mittagszeit kam er wieder zu Hause an. Man hätte gar nicht mehr mit ihm gerechnet, so wurden doch noch schnell Teller und Besteck für Bernhard auf den Tisch gebracht.

Nachdem Essen ging er aber sogleich wieder raus. Die Rodelbahn wäre jetzt bestimmt wieder frei und er lag genau richtig mit dieser Aussage. Kein anderes Kind war mehr da. Sie waren allesamt Mittagsessen. Diesmal hatte er den Rodelberg fast fünfundzwanzig Minuten für sich, ehe die anderen Kinder wieder kamen. Es wurde wieder einmal um die Wette gerodelt bis die Dämmerung einbrach, und alle nach Hause mussten.