Eliane und der rote Schal II

Schneemann 1

Eliane und der rote Schal I

Eliane wusste es nicht, doch sie hoffte. So folgte sie den Spuren, bis sie an ein Haus kam, hinter dem ein Fluss lag. Sie hörte ein Jammern hinter dem Haus und sah nach. Dort entdeckte sie einen Jungen, der keine Schuhe anhatte. Eliane sprach den Jungen an, und erfuhr so, dass er auf dem Fluss mit seinen Winterschuhen Schlittschuh fahren wollte, doch er sei eingebrochen. Er habe glücklicherweise es allein daraus geschafft, weil der Fluss hier nicht tief wäre, doch seine Eltern würden sicherlich schimpfen. Er würde bestimmt wieder in den Keller gehen müssen und tagelang versuchen, die Kohlen weiß zu putzen, wenn er seine Schuhe nicht mehr findet.

Eliane erkannte trotz ihres Alters die Problematik. Dem Jungen dabei helfen, seine Schuhe aus dem Fluss zu fischen, konnte sie aber trotzdem nicht. Sie würde sich selber in Gefahr bringen, doch Eliane hatte eine andere Idee. Sie zog ihre Winterschuhe aus und gab sie dem Jungen. Er wollte sie nicht annehmen, doch nach dreimaliger Aufforderung nahm er sie doch. Zum Dank wollte er sie mit ins Haus nehmen, doch sie verneinte. Sie müsse den Dieb ihres roten Schals finden und wollte weitergehen.

Doch der Junge hielt sie auf, als der Magen von Eliane knurrte. „Warte, ich geb’ Dir ein Stückchen Brot als Wegzerrung mit.“ Sprach der Junge und rannte ins Haus. Wenige Sekunden später stand er wieder vor Eliane mit einem Stück Brot in der Hand. Eliane wollte es nicht annehmen, doch als Ihr Magen wieder einmal knurrte, nahm sie es an und biss ein Stückchen davon ab.

Danach verabschiedete sich Eliane und nahm die Verfolgung des Diebs wieder auf. Jetzt war sie wieder auf einem Weg. Verlaufen konnte sie sich jetzt nicht mehr und die Fußspuren des Diebs sind deutlich zu erkennen. In Eliane keimte Zuversicht, ihren roten Schal doch noch wieder zu bekommen.

Sie lief und lief, unter anderem über eine Brücke, unter der der Fluss von links nach rechts floss. Kurze Zeit später vernahm Eliane plötzlich ein Jammern von rechts. Der Dieb konnte es nicht sein, denn seine Fußspuren gingen weiter geradeaus. Doch Eliane folgte nicht den Fußspuren, sondern dem Jammern. Am Ende entdeckte sie ein kleines Mädchen, dass seine Schuhe ausgezogen hatte. Auch die Socken hatte sie nicht mehr an, und Eliane erfuhr nach einem kurzen Gespräch warum. Das kleine Mädchen hatte erst jetzt bemerkt, dass es zwei unterschiedliche Socken anhatte und mit diesen wollte sie auf keinen Fall nach Hause. „Ich gehe mit zwei unterschiedlichen Socken nicht nach Hause!“ sprach sie zickig. „Aber Du bist doch den ganzen Tag damit rumgelaufen?“ erwiderte Eliane. Doch das kleine Mädchen schaltete auf stur. Sie würde mit diesen Socken keinen Meter gehen und notfalls auch hier erfrieren.

Eliane lenkte ein. Sie zog Ihre beiden Socken aus und gab dem kleinen Mädchen diese. Als das kleine Mädchen die Gleichfarbigkeit der Socken erkannte, entriss sie Eliane die Socken und zog sie an. Noch merkte sie nicht, dass die Socken nass waren, doch wenig später bemerkte sie es. Sie zog sofort die Socken von Eliane aus und warf sie in den Fluss, der direkt vor Ihr lag.

Anschließend zog das kleine Mädchen seine Schuhe ohne Socken an, und wetterte gegen Eliane „Deine ekligen und nassen Socken kannst Du behalten. Wenn Du es nass magst, wirst Du ja deine Freude an den Socken haben, die jetzt im Fluss sind.“ Sie stand auf, nahm ihre Socken und ging, während sie Eliane noch zurief „Und meine Socken bekommst Du nicht!“

Eliane hatte nun weder Schuhe noch Socken, doch das war ihr egal. Wichtiger war ihr der rote Schal. So ging sie wieder zurück zum Weg, um den Dieb zu folgen. Während ein neuer Tag schon anbrach, sich die Sonne aber erst in einigen Stunden zeigen würde, lief Eliane weiter und weiter.

Die Fußspuren waren immer noch sichtbar, doch nun wichen sie vom weg ab. Sie verliefen nach rechts in einen dichten Wald und Eliane folgte diesen. Sie ging immer tiefer in den Wald, bis sie plötzlich etwas rotes sah. Sollte das Ihr Schal sein, der an einem Baum hing?

Eliane konnte es nicht glauben, doch es war so. Ihr roter Schal hing an einem Baum. Hatte der Dieb den Schal verloren, oder ihn absichtlich hier gelassen? Eliane wusste es nicht, es war ihr aber auch egal. Sie hatte den rote Schal wieder. Jetzt musste sie nur noch den Weg zurück zum Weg finden und alles würde wieder gut werden.

Auf dem Weg zurück hörte sie ein kleines Kind schreien. Sie folgte dem Geschrei und fand dann ein Kleinkind in einem Korb. Das Kind war nur spärlich zugedeckt, so dass Eliane ihren dicken Pullover auszog und ihn über das Kind legte, damit es nicht allzu doll fror.

Eliane nahm den Korb in ihre Hand, als sie sich vergewissert hatte, dass keine Mutter und kein Vater in der Nähe waren. Eliane fröstelte es mehr und mehr. Nachdem sie schon längst das Brotstück verspeiste und trotzdem noch Hunger hatte, ließ Ihre Kraft mehr und mehr nach. Bis sie kraftlos auf den Boden fiel und der Korb mit dem Kind neben ihr stand.

Eliane bemerkte nicht, dass Sie soeben den Weg wiedergefunden hatte. Kraftlos sank sie in den Schnee, wo sie einige Minuten später gefunden wurde. Ein Pärchen, dem das Kind gehörte, kam vorbei und hörte auch das Geschrei des Kindes. Sie nahmen Eliane und ihr eigenes kleines Kind mit nach Hause.

Eliane bemerkte davon nichts. Erst am nächsten Morgen wachte sie in einem fremden Zimmer auf. Sie wusste nicht, wo sie war, und wollte so schnell weg, wie möglich. Doch sie kam nicht weit. Als sie die Tür öffnete kam der Mann des Kindes und sah Eliane. Er hielt Eliane auf, und erzählte Ihr, was in den letzten Stunden geschah. Er bedankte sich auch dafür, dass Eliane das kleine Kind mit ihrem Pullover zudeckte. Ihm blieb nicht verborgen, dass Eliane keine Schuhe, Socken und keine Jacke anhatte. So fragte er Eliane warum und bekam auch eine Antwort.

Der Mann erkannte, dass Eliane freundlich und hilfsbereit ist. Da er von Ihr auch erfuhr, dass sie ein Waisenkind ist, machte er ihr einen Vorschlag. Eliane sollte hier einziehen. Sollte wieder eine Mutter und einen Vater haben. Eliane umarmte den Mann und war sehr glücklich. Jetzt müsste sie nicht mehr alleine sein, wenn sie schlecht träumt, wenn sie jemanden umarmen möchte. Für Eliane war jetzt schon Weihnachten. Das beste, das es in den letzten Jahren gab.