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Kartenspiel IV

Es begrüsste mich ein älterer Herr auf der Straße. Er stellte sich mir mit seinem Namen vor. Sein Name war König. Ich wusste nicht, warum er sich mir vorstellte. Für seine folgende Frage brauchte ich seinen Namen nicht zu wissen. Er fragte mich nur, wo die Hausnummer Neun wäre.
Ich antwortete „Eine Hausnummer Neun gibt es in dieser Straße nicht. Besser gesagt nicht mehr. Vor zirka einem Jahr wurde das Haus abgerissen.“
Der Herr fand es schade. In dem Haus gab es eine kleine Gaststätte. Damals als Kind spielte er dort immer mit seinem Vater Karten. Es war Mau Mau mit den Farben Herz, Karo, Kreuz und Pik. Vor allem an ein Spiel erinnerte sich der Herr noch bis heute und erzählte es mir.
„Es begann alles mit dem Mischen. In der Regel wechselten sich mein Vater und ich ab. In diesem Spiel mischte ich. Ich gab jedem vier Karten und legte dann eine offene Karte neben den verdeckten Kartenstapel. Die offene Karte war ein As. Normalerweise wäre mein Vater dran gewesen, nachdem ich die Karten austeilte. Doch mein Vater musste beim As aussetzen und so war ich dran.
Ich legte auf das Karo As eine Karo Zehn. Nun war mein Vater dran. Er legte eine Karo Acht.
Ich legte eine Herzkarte. Es war ein Herzbube. Da ich keine Karo-Karte mehr hatte, wünschte ich mir eine andere Farbe. Ich wünschte mir Pik. Mein Vater hatte Pik und legte eine schwarze Acht.
Ich konterte mit einer Pik Dame. Mein Vater legte eine Pik Neun oben drauf.
Ich hatte nur noch eine Karte in meiner Hand. Es war ein Pik König. Ich legte die Karte auf den Kartenstapel und sprach Mau Mau. Ich hatte mit einem König gewonnen. Ein König gewann mit einem König.“
Den letzten Satz des Mannes verstand ich zunächst nicht. Der Herr stellte sich vor der Erzählung mit seinem Namen vor. Daran erinnerte ich mich einen Moment später. Nun verstand ich den letzten Satz. Der Herr hieß König. Das war wohl schon zu seiner Kinderzeit so. Also legte ein Junge mit dem Nachnamen König im Spiel Mau Mau einen schwarzen König und gewann das Spiel. Vielleicht liegt es an dem doppelten König, dass der Herr sich an dieses eine Spiel noch so gut erinnern konnte.
Zurück zur Wirklichkeit: Das Haus mit der Nummer Neun gab es nicht. Der Herr wünschte sich, dass er die Gaststätte noch einmal hätte sehen können. Noch einmal wollte er in der Vergangenheit schwelgen. Er wollte sich noch einmal an seine schöne Kindheit hier in der Gaststätte erinnern.
Ich fragte den Herrn König, warum er nicht die letzten Jahre gekommen wäre, um das Haus anzusehen. „Die Gaststätte im Haus ist schon seit einigen Jahren zu. Seit zirka neun Jahren verfällt das Haus immer mehr. Anfangs bröckelte nur etwas Putz von den Wänden. Später stürzten sogar Dachteile auf die Straße. Seit spätestens zwei Jahren gab es die Planung, das Haus abzureißen und durch ein neues zu ersetzen. Letztes Jahr wurde das Haus abgerissen. Der Neubau lässt aber noch etwas auf sich warten. Im nächsten Jahr soll es losgehen.“
Der Herr König interessierte sich nicht so sehr für das neue Haus. Er wollte das alte Haus und die Gaststätte noch einmal sehen. Da Beides nicht mehr da war, brauchte er nicht weiter nach der Hausnummer Neun zu suchen. Er bedankte sich bei mir für die Informationen. Er wünschte mir noch einen schönen Tag und ging seines Weges.