Sonne und Mond: 06 Nieselregen

Erzählen-AG: Sonne und Mond

Vor einigen Tagen haben wir der Sonne und den Mond geholfen. Wir hexten ein paar Wolken an den Himmel, so dass sich der Mond und die Sonne sehen konnten. Heute nun sollte die gemeinsame Zeit der Beiden vorerst enden. Heute sollte es wieder sonnig werden.

Zuerst einmal mussten die Wolken weg. Das war gar nicht schwer. Die Wolken wollten sowieso weiterziehen. Sie wollten neue Orte sehen. Immer das Gleiche zu sehen, war für die Wolken auch langweilig. Auch durch einen Hexspruch konnten die Wolken nicht lange an einen Ort festgebunden werden. Der Freiheitsdrang der Wolken war größer als jeder Hexspruch.

Es dauerte allerdings einige Zeit, ehe die Wolken weiterziehen konnten. Das lag an der Sonne und den Mond. Sie waren sich ja einig, dass sie sich einmal im Monat der Erde zeigen werden. Dieser Tag stand nun an. Wirklich glücklich waren der Mond und die Sonne nicht. Sie hätten am Liebsten noch mehr Zeit miteinander verbracht. Sonne und Mond standen aber zu ihrem Wort. Einmal im Monat wollten sie sich den Menschen, Tieren und Pflanzen zeigen.

Es stand also ein Abschied an. Jeder Abschied ist traurig. Das war bei der Sonne und dem Mond nicht anders. Bei der Verabschiedung kullerten Tränen. Es waren ganz schon viele. Die Wolkendecke wurde von oben nass. Das war noch kein großes Problem für die Wolken. Ein bisschen Nässe hielten sie aus. Der Abschied von der Sonne und dem Mond zog sich allerdings hin. Die Abschiedstränen wurden mehr und mehr. Die Nässe auf der Wolkendecke nahm zu.

Es kam, wie es kommen musste. Die Wolken konnten die Tränen nicht mehr aufhalten. Die Tränen fanden ihren Weg durch die Wolkendecke. Das bekamen wir Menschen auch auf der Erde mit. Es begann nämlich zu nieseln. Es regnete ganz leicht. Es war ein leichter Nieselregen.

Sonne und Mond schafften es, sich zu verabschieden. Da es Tag war, entfernte sich der Mond langsam vom Himmel. Immer wieder sah er zurück zu seiner geliebten Sonne. Dabei trocknete die Nässe auf den Wolken. Die Wolken hatten es leichter, weiterzuziehen.

Mit der Nässe auf den Wolken war es nämlich schwerer weiterzuziehen. Das kannst du selber einmal nachstellen. Wenn du einen trockenen Schwamm hast, kannst du ihn viel leichter bewegen. Du kannst ihn relativ leicht in einen Eimer schmeißen. Wenn du den Schwamm in Wasser tränkst, wird der Schwamm viel schwerer. Jetzt kannst du den Schwamm nicht mehr so leicht in einen Eimer werfen. So ähnlich ist es auch mit der Nässe auf und in den Wolken.

Nach einiger Zeit war der Mond endlich vom Himmel verschwunden. Die Nässe auf den Wolken war nahezu getrocknet. Die Wolken konnten endlich weiterziehen. So lange der Mond und die Sonne gleichzeitig am Himmel waren, trauten sich die Wolken nicht. Sie ahnten, das auf der Erde Chaos herrschen würde, wenn Sonne und Mond nebeneinander am Himmel zu sehen waren. So warteten die Wolken ab, bis der Mond verschwunden war.

Die Wolken verschwanden nicht wortlos. „Na endlich kann es weitergehen“ sprachen die Wolken. „Wir dachten schon, wir müssten hier Wurzeln schlagen. Dabei sind wir doch keine Pflanzen, die Wurzeln zum Überleben benötigen.“

Die Wolken zogen anfangs langsam am Himmel vorbei. Mit der Zeit wurden die Wolken schneller. Sie mussten erst einmal Fahrt aufnehmen.

Nach einigen Minuten war es endlich soweit. Der Himmel war wieder frei. Die Sonne schien. Das wurde auch wieder Zeit. Morgen sollte der Sommer beginnen. Ein Sommer ohne Sonne war kein schöner Sommer. Im Sommer musste die Sonne scheinen, oder?

Diese Geschichte ist auch als Buch und eBook verfügbar.