Arbeitslos vor Weihnachten

Weihnachten: Arbeitslos

Es ist der zweiundzwanzigste Dezember. Der letzte Samstag vor dem Weihnachtsfest. Während Bernhard zu Hause ist, da er Ferien hat, ist sein Vater heute wieder auf Arbeit. Seit Jahren arbeitet er als Steuerberater und jetzt, wo das Jahr sich dem Ende zuneigt, hat er wieder mehr Arbeit. Oder sollte man sagen, bekommt er mehr Arbeit?

Bernhards Vater ist nicht selbstständig, sondern hat einen Chef. Sein Name ist Ezra Rosenstrauch. Er ist knauserig, und hat Bernhards Vater schon lange keine Lohnerhöhung mehr spendiert. In Ezras Augen verdient der Vater auch keine. Selbst ein Weihnachtsgeld gibt es von Ezra nicht.

Trotz allem lässt Bernhards Vater nichts auf seinen Chef kommen. Er ist glücklich dort zu arbeiten. So wünscht er seinem Chef jedes Weihnachten ein fröhliches Fest. Selbst dieses Jahr, obwohl Bernhards Vater allen Grund hätte, solch ein Fest seinem Chef nicht zu wünschen.

Doch was war passiert? Bernhards Vater kam wie jeden Samstag pünktlich zur Arbeit. Daran kann es nicht gelegen haben. Doch als Bernhards Vater seinem Chef den bestellten Kaffee brachte und ihn versehentlich auf ein wichtiges Dokument stellte war der Teufel los. Sein Chef beschimpfte ihn aufs Übelste und kündigte ihm. Fristlos. So war Bernhards Vater schon um dreizehn Uhr wieder zu Hause. Geplant war eigenlicht später am Abend.

Am Abend bekam sein Chef aber Besuch. Besuch, den er nicht bestellte. Besuch, der ihn verändern sollte. Alles begann um zweiundzwanzig Uhr als die Wanduhr im Zimmer von Ezra laut die volle Stunde verkündete. So laut, dass Ezra wach wurde. Er beschimpfte die Wanduhr, warum sie so ein Krach mache, als plötzlich ein ihm unbekanntes Wesen vor ihm stand. Wie kam dieses Wesen rein?

Ezra versuchte dieses Wesen zur Zimmertür zu schieben, doch dieses Wesen schien ein Geist zu sein. Ezra bekam das Wesen nicht zu fassen. Immer wieder konnte er durch dieses hindurchgehen. Nach einigen Minuten gab Ezra es auf, dieses Wesen doch noch zur Zimmertür zu schieben, auf dass er wieder in sein Bett gehen könne. Zur gleichen Zeit begann dieses Wesen endlich zu sprechen.

Geist der Vergangenheit:
Ezra, ich bin der Geist der Vergangenheit ...

Ezra:
Und was willst Du hier? Ich hab dich nicht bestellt. Ich will schlafen, also verschwinde.

Geist der Vergangenheit:
Nein! Ich zeig Dir die Weihacht deiner Kindheit.

Ezra:
Und was soll das? Ich werfe keinen Blick zurück.

Geist der Vergangenheit:
Doch das wirst Du.

Mit diesen Worten packte der Geist Ezra und sie reisten durch die Zeit bis in die Kindheit von Ezra. Dort sah Ezra, wie schön Weihnachte sein konnte. Er sang Weihnachtslieder mit seinen Geschwistern und Eltern. Bekam die schönsten Geschenke. Durfte beim Schmücken des Weihnachtsbaumes helfen.

Ezra wurde warm ums Herz. Wie schön die damaligen Heiligen Abende doch waren. Die schöne Musik. Der leuchtende und glänzende Weihnachtsbaum. Sein Bruder, der viel zu früh gegangen ist. Seinen Bruder versuchte er zu umarmen und es sollte ihm gelingen, oder?

Nein. Als Ezra die Augen wieder öffnete, umklammerte er einen Bettpfosten. Er glaubte, alles nur geträumt zu haben und ging zurück ins Bett. Er schaffte es sogar eine knappe halbe Stunde zu schlafen, ehe die Wanduhr ein zweites Mal ihn aus dem Schlaf holte. Wieder erschien Ezra ein unbekanntes Wesen. Wieder versuchte er es zu fassen, und aus seinem Zimmer zu befördern. Wieder gelang es ihm nicht. Wieder gab er nach einigen wenigen Minuten auf, und das Wesen sprach zu ihm.

Geist der Gegenwart:
Ezra, ich bin der Geist der Gegenwart...

Ezra:
Ja schön für Dich. Das hatten wir heute schon einmal. Könntest Du wieder gehen, ich will schlafen!

Geist der Gegenwart:
Nein! Ich zeig’ Dir die Weihacht von diesem Jahr.

Ezra:
Und was soll das? Mir ist Weihnachten doch egal! Es ist ein Fest, das keiner braucht.

Geist der Gegenwart:
Komm, ich zeig es Dir

Der Geist packte Ezra und zeigte ihm das diesjährige Fest. Ezra sah, wie Bernhards Vater traurig und arbeitslos nach Hause ging. Er sah, wie er die Geschenke für seine Frau und für seinen Sohn nahm und in die Stadt ging. Dort verkaufte er es, um genug Geld für die nächsten Tage zu haben. Seine Frau verstand es, dass Sie dieses Jahr keine Geschenke bekommen würde, doch Bernhards selbst? Er wird es wohl nur schwer verstehen, kein Geschenk zu Weihnachten zu bekommen. Er muss wohl ohne seinen Spielzeugkran auskommen, den er sich so sehr gewünscht hatte.

Ezra sah aber auch, wie seine Schwester Weihnachten feierte. Wie jedes Jahr hatte sie Ezra eine Einladung geschickt. Wie jedes Jahr wollte Ezra auch in diesem Jahr nicht kommen. Doch als er wieder Weihnachtsmusik hörte, sah wie der Weihnachtsbaum bei seiner Schwester aussah, erinnerte er sich noch einmal an die Weihnachtsfeste seiner Kindheit. Ezra wollte noch hier bleiben, doch der Geist der Gegenwart verneinte und brachte Ezra zurück in sein Schlafzimmer.

Dort wartete er auf den nächsten Geist. Wenn es einen Geist der Vergangenheit und der Gegenwart gibt, wird es auch einen Geist der Zukunft geben, dachte sich Ezra. Und er sollte Recht behalten. Punkt null Uhr kam dieser Geist. Diesmal versuchte Ezra gar nicht erst, den Geist aus seinem Schlafzimmer zu befördern. Stattdessen fing er mit dem Geist zu reden an.

Ezra:
Du bist bestimmt der Geist der Zukunft, oder?

Geist der Gegenwart:
Ja, Ezra, ich bin der Geist der Zukunft.

Ezra:
Du willst mir jetzt also die zukünftigen Weihnachtsfeste zeigen, richtig?

Geist der Gegenwart:
Ja, richtig.

Ezra:
Dann los.

Der Geist der Zukunft nahm Ezra und zeigte ihm die zukünftige Weihnacht. Dort sah Ezra, dass Bernhards Vater schwer krank wurde und verstarb. Er sah auch ein Grab, und dachte es würde Bernhards Vater gehören. Doch der Geist der Zukunft befahl ihm, auf den Grabstein zu sehen. Ezra musste dort erblicken, dass sein Name darauf stand. Er sei gestorben. Der Geist ging mit Ezra zurück zur Familie von Bernhards. Allein saßen dort Bernhard und seine Mutter. Bernhard schimpfte über Ezra und war froh, dass er tot war. Die Mutter versuchte zwar dies zu beschwichtigen, doch Ezra verstand, was der Geist damit sagen wollte.

Ezra war in all den letzten Jahren kein guter Mitmensch gewesen. Er hatte Angst vor dem Tod und flehte den Geist an, ob er wirklich sterben müsse. Ob er nichts dagegen tun könne. Der Geist sprach nur, dass er die zukünftige Weihnacht aus heutiger Sicht zeigen würde. Würde sich Ezra verändern, so würde sich auch die Zukunft verändern.

Ezra versprach, ab jetzt ein guter Chef, ein guter Mitmensch zu sein, doch der Geist der Zukunft war längst nicht mehr da und Ezra alleine in seinem Zimmer. Würde Ezra sein Versprechen halten? Der heilige Abend wird es uns wohl zeigen.