Titus Schulgeschichten II 18: Der Zwilling, der immer Pech hat

Namenswelt: Titus' Schulgeschichten

Auf ein Gymnasium gehen unterschiedliche Schüler und Schülerinnen. Sie haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Manchmal können die Schülerinnen und Schüler nichts dafür. Manchmal scheint es eine höhere Gewalt zu geben.

Es gibt zum Beispiel zwei Schülerinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wobei so unterschiedlich sind sie gar nicht. Die Beiden gehören zu einer Familie. Die beiden Schülerinnen besuche beide unsere Schule. Sie gehen aber in unterschiedliche Klassen.

Yolanda und Beatrix - so heißen die beiden Schülerinnen - sind Zwillinge. Während Yolanda immer Pech hat, ist Beatrix meist die Glückliche. Das bekommen wir an der Schule auch immer wieder mit. Dabei geht es nicht immer nur um die Noten bei Arbeiten oder Klausuren.

Yolanda hat sich zum Beispiel einmal das Bein gebrochen. Es war mitten in der Prüfungszeit der zehnten Klassen. Yolanda hatte ihre Deutschprüfung geschrieben. Da war sie noch auf zwei gesunden Beinen dabei. Zwei Tage später war die schriftliche Matheprüfung. Yolanda kam mit Krücken zur Schule.

Yolanda fuhr normalerweise mit dem Rad zur Schule. Das konnte sie mit ihrem gebrochenem Bein nicht tun. So sah ich sie am Morgen vor der Matheprüfung mit Krücken in der Schule umher laufen. Ich war neugierig. Als Mann darf ich das ja auch einmal sein. Yolanda erzählte mir, wie es dazu kam.

Yolanda ging mit Freunden am Nachmittag nach der Deutschprüfung zum Fußballspielen. Yolanda sah immer nur zu und stand am Spielfeldrand. Das Mitspielen war ihr zu gefährlich. Das kann ich verstehen, denn Yolanda klebte wirklich das Pech an den Schuhen.

Irgendwann kam eine Bekannte von Yolanda vorbei. Yolanda bekam es mit. Yolanda drehte sich um und wollte ihrer Bekannten Hallo sagen. In diesem Moment fand auf den Fußballplatz ein Zweikampf statt. Der Zweikampf war sehr nah am Spielfeldrand. Da Yolanda sich wegdrehte, konnte sie es nicht erkennen.

Zwei Fußballspieler rutschten im Zweikampf auf sie zu. Ein Fußballspieler konnte noch abbremsen. Der Zweite schaffte es nicht mehr. Er rauschte in Yolanda hinein. Dabei traf er Yolandas Bein. Yolanda hatte keine Glasknochen, trotzdem schaffte es der zweite Fußballspieler, dass sich Yolanda das Bein brach. Das konnten alle sehen.

Für Yolanda wurde ein Rettungswagen gerufen. Damit ging es ins Krankenhaus. Dort bekam Yolanda einen Gips. Diesen Gips musste sie einige Wochen tragen.

So kam Yolanda dann mit Krücken zur Matheprüfung. Ich war ein weiteres Mal neugierig. Wie kam sie denn zur Prüfung? Fahrradfahren ging mit einem gebrochenem Bein nicht.

Yolanda erzählte, dass sie mit dem Bus kam. Ihre Mutter hatte keine Zeit, sie und ihre Schwester zu fahren. Ihre Mutter musste arbeiten. So musste Yolanda mit Krücken zur Bushaltestelle laufen. Neben ihr lief ihre Schwester. Dann stiegen die Beiden in den Bus ein, was mit dem Gipsbein von Yolanda schwierig war. Yolanda schaffte es irgendwie. Nun hoffte Yolanda, die Matheprüfung nicht zu versauen.

Ich kann sagen, Yolanda schaffte alle ihre Prüfungen. Eine Versetzung in die zweite Sekundarstufe stand nichts im Wege. Das Pech blieb ihr auch in der zweiten Sekundarstufe treu. Sie durfte die zwölfte Klasse nämlich wiederholen. Auch die Prüfungen in der dreizehnten Klasse überstand Yolanda nur mit Pech. Sie hatte einige Nachprüfungen. Am Ende schaffte Yolanda aber ihr Abitur. Ich bin gespannt, wie es in ihrem Leben weiter läuft. Irgendwann einmal muss das Pech ja verschwinden, oder?