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Titus: Pause

Namenswelt: Titus

Die erste Stunde ging langsam zur Neige. Noch fünfzehn Minuten, ehe es eine kleine, fünf Minuten lange, Pause gab. Nun begann ich der Klasse die Pause zu erklären. Sie sprachen, dass sie die Pause kennen. Zwischen den Stunden gäbe es immer eine fünf Minuten lange Pause. Von neun Uhr fünfunddreißig bis zehn Uhr gäbe es die erste Hofpause und von zwölf Uhr fünfundzwanzig bis dreizehn Uhr wäre die zweite Hofpause. Doch diese Pause war ja gar nicht gemeint.

Ich sprach von der Pause nach Genette’s Modell und dort war eine Pause etwas Anderes. Der Leser konnte minutenlang oder stundenlang eine Geschichte lesen, doch die Handlung innerhalb dieser blieb stehen. So war die Zeit in der Geschichte gleich Null, während die Lesezeit theoretisch unendlich war. Die Lesezeit konnte einige Minuten oder Stunden dauern. Eher unwahrscheinlich ist es, dass die Handlung in einer Geschichte Tage oder Wochen pausierte. Die Klasse hatte nun verstanden, welche Pause gemeint war. So konnte ich Ihnen wieder ein Beispiel geben. Doch da klingelte es schon. Die erste Stunde war zu Ende.

So musste ich nun fünf Minuten warten, ehe ich fortfahren konnte. Doch zuvor sprach ich:

OK, da es klingelt, gebe ich Euch erst in der nächsten Stunde ein Beispiel für eine Pause in einer Geschichte.

Während die Klingel schon seit einer Minute wieder stumm war, zogen am Himmel einige Wolken vorbei. Vereinzelt blinzelte die Sonne hinter Ihnen vor und strahlte die Uhr im Klassenraum an. Sie zeigte neun Minuten vor neun. Während sich die Wolken langsam nach Osten verzogen, kamen neue Wolken aus dem Westen. Auch einige Zugvögel, die noch nicht in den Süden verschwanden, ließen sich neben den Wolken blicken und verdeckten sie teilweise. Es war nicht zu erkennen, welche Zugvögel sich im Himmel bewegten, die Form der Wolken hingegen schon. In einigen Wolken sah ich ein menschliches Gesicht, dass seinen Mund so bewegte, als wolle es etwas wegpusten. Vielleicht die Vögel? Nein, die flogen in die andere Richtung und waren auch schon längst weg. So sah ich nur den Himmel, die Wolken und die Sonne, und diese sah Zoe.

Sie hatte heute frei und wollte sich um den Einkauf kümmern. Sie fuhr mit dem Auto und parkte wie immer in der ersten Reihe. Sie stieg aus dem Auto, schnappte sich die Einkaufstüten aus dem Kofferraum und schloss das Auto ab. Wenige Meter weiter holte sie sich den Einkaufswagen, packte die Tüten hinein und ging in den Supermarkt. Am Anfang war die Kleidungsabteilung. Sie blieb mindestens zehn Minuten dort, ehe es weiter zu den Süßigkeiten ging. Dort verbrachte Sie nur drei Minuten und schon ging es weiter zu den gekühlten Sachen. Ein Karton Milch, einige Puddings für sie und einige für den Rest der Familie. Nun waren im Einkaufswagen Schuhe, Süßigkeiten, Milch und Puddings. Im weiteren Verlauf kamen Käse, Paprika, Tomaten, Bananen und Kartoffeln hinzu. Die Wurstabteilung wartete schon ganz gespannt, was Zoe diesmal kaufen wollte. Es waren Schnitzel, Salami, Kochschinken, Hackepeter und Wiener. Jetzt musste nur noch Brot, Brötchen, Kaffee und Marmelade eingekauft werden und es würden nur noch die Getränke fehlen. Doch da die Getränkeabteilung direkt nach der Marmelade kam, war es kein weiter Weg. Am Ende warteten drei offene Kassen, wovon eine frei war. Genau diese steuerte Zoe an. Waren auf das Band packen, wieder in den Korb packen, bezahlen und dann die Ware eintüten. So ging es dann zum Auto. Die vollen Einkaufstüten landeten im Kofferraum, der Einkaufswagen dort, wo er hingehörte und schon saß Zoe im Auto auf dem Weg nach Hause.

Die Uhr im Klassenraum zeigte weiterhin vierzehn Minuten vor neun. In vier Minuten sollte die zweite Stunde beginnen. Ich wartete und wartete. Langsam kroch der Minutenzeiger von neun auf acht, von acht auf sieben, von sieben auf sechs, von sechs auf fünf und es klingelte. Die zweite Stunde begann mit einem Beispiel für die Pause nach Genette’s Theorie.

Veröffentlicht

12.09.2026

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